Wichtiger als Amt der Sportchefin

Simone Jörg als neue Präsidentin des TV Lunkhofen und ihr Vorgänger Matti Staufer kennen sich. Sie haben viele Jahre gemeinsam für den Kellerämter Verein gearbeitet.

Seit Jahren spielt der Turnverein Lunkhofen in der nationalen Volleyball-Spitze mit. Er hat einige Erfolge erzielt und Aushängeschilder hervorgebracht. Nun geht der Baumeister des Erfolgs, Präsident Matti Staufer. Seine Nachfolgerin, Simone Jörg, will dieses Bauwerk weiter auf Erfolgskurs halten.

Verena Anna Wigger

Zwar hat Simone Jörg das Amt der Sportchefin im TV Lunkhofen erst kürzlich übernommen. Doch nach dem angekündeten Rücktritt von Matti Staufer war ihr klar, «das Amt des Präsidenten zu besetzen, ist wichtiger, als eine Doppelbesetzung als Sportchef zu haben», sagt sie. Aktuell ist das Ressort Sportbetrieb unbesetzt, aber die Fachbereichsleitungen sind Persönlichkeiten, die ihre Ressorts gut und langjährig führen. So war es für Jörg ein Leichtes, sich zur Wahl zu stellen. Simone Jörg ist im Verein, seit sie zwölfjährig war. Unter anderem als Spielerin, Trainerin, Schiedsrichterin und als Sportchefin. Heute sind ihr zwölfjähriger Sohn und ihre achtjährige Tochter ebenfalls Mitglieder im Verein.

Strukturen für den Erfolg gelegt

Der scheidende Präsident Matti Staufer gehört dem Verein seit 43 Jahren an. In seinen aktiven Jahren im Vorstand und als Präsident hat er jährlich 400 bis 800 Stunden für den Verein investiert. Das haben er und seine Frau einmal ausgerechnet, erzählt er. 16 Jahre war er in diversen Chargen im Vorstand tätig und in zwei Tranchen, zusammen acht Jahre, als Präsident. Nun, findet er, ist es an der Zeit, sein Amt weiterzugeben. Doch ist er immer noch mit Leib und Seele dabei und argumentiert und erzählt, warum «Lunki» immer noch so stabil dasteht. «Die Strukturen, die wir heute leben, habe ich bereits in meiner ersten Amtszeit als Präsident eingeführt», sagt er. Es ist ihm anzuhören, wie wichtig ihm der Verein ist. 1997 sei er mit vielen Ambitionen eingestiegen und diese Zielstrebigkeit hat dazu geführt, dass die Männer von 2000 bis 2012 der Nationalliga B angehörten.

Grösster Verein im Kelleramt

Der Turnverein Lunkhofen ist der grösste Verein im Kelleramt. 290 aktive Mitglieder gehören ihm an. Er hat Sportlerinnen und Sportler aus 40 Gemeinden, hauptsächlich aus dem Kelleramt und Freiamt, in seinen Reihen.

Wenn es nach Matti Staufer geht, würde in Lunkhofen ein Volleyball-Kompetenzzentrum gebaut. Und seine Idee geht noch weiter. «Man sollte regional denken», sagt er und sieht weitere solcher regionalen Zentren im Handball beispielsweise. Doch der Turnverein ist ein Dorfverein. Aktuell kommen 58 Mitglieder aus der Gemeinde. «Wir leisten einen extrem hohen Beitrag und sind gut integriert im Dorf», sagt Staufer. Und auch das ist ihm wichtig.

Zurückgekommen, um Know-how einzubringen

Genauso wie sein zweiter Antritt als Präsident. Eingestiegen ist er, weil man festgestellt habe, dass «die Jugend schwächelt». Das heisst, dass der Verein eine Lücke zwischen Jugend und Spitzensport und den «Altgedienten» hatte. Deswegen machte der Verein einen Aufruf. Ältere Mitglieder, die schon vom Verein profitierten, wurden angefragt und motiviert, sich wieder für die Jugend zu engagieren.

In Lunkhofen wird ein familiärer Umgang gepflegt. Das war auch für Simone Jörg der Grund, wieder einzusteigen. Als Mutter eines Spielers hat sie dies zusätzlich motiviert. «Wir möchten die Ehemaligen zurückholen, damit sie ihr Know-how einbringen», sagt Staufer und Jörg pflichtet ihm bei. «Wir sind eine Familie in Lunkhofen», ergänzt Staufer. Dieses Vereinsleben trägt dazu bei, dass die Herren- und die Damen-Mannschaft im Schweizer Leistungssport vorne mitspielen. Der TV Lunkhofen gehört im Volleyball seit Jahren zur nationalen Spitze. Aktuell ist die 1. Mannschaft der Herren in der 1. Liga auf dem 5. Platz und die 1. Damen-Mannschaft auf dem 4. Rang.

Die Strategie weiterführen

Die Strategie des präsidialen Duos – so kann man sie ruhig nennen – verfolgt ein klares Ziel. Bis zur Saison 2029/2030 sollen die Männer in der vorderen Hälfte der Nationalliga B mitspielen und die Damen sollen sich im vorderen Feld in der 1. Liga etablieren. Dass dies realistisch ist, das zeigen die Resultate aus dem Jugendbereich. Dort hat sich der Verein im Aargau an die Spitze gesetzt und an der Schweizer Meisterschaft der U14-Jugend erreichten sie den guten 7. Platz.

Zum Verein gehören auch weitere Damen- und Herren-Mannschaften sowie Gruppen aus dem Breitensport. Darauf weisen die beiden hin, denn auch sie sind ihnen wichtig. Nicht zu vergessen seien die 8- bis 18-jährigen Volleyballerinnen und Volleyballer. «Hier haben wir den grössten Zuwachs und extrem viel Potenzial», sagt Staufer. «Wir sind erfolgreich, mehr denn je», sagt die Jugendtrainerin Jörg. Beiden ist bewusst: «Erfolg macht attraktiv.» Jörg wird auch als Präsidentin künftig die U11-Mannschaft trainieren. Ihnen beiden ist die Förderung der Jugend wichtig. Sei dies in den Trainings oder in regelmässigen Volleyball-Lagern in Mürren.

Grosse Namen des Vereins

«Auch grosse Namen sind aus dem TV Lunkhofen erwachsen.» Wie der aktuelle Beachvolleyball-Nationaltrainer Philip Gabathuler, der Bruder der neuen Präsidentin Simone Jörg. Denn auch Beachvolleyball ist ein grosses Thema im Verein. Auch Nationalspielerinnen und -spieler wie Laura Gassmann oder Peer Harksen oder Etienne Hagenbuch gehören dazu. Und die «Hall of Fame» des Vereins hat weitere grosse Namen zu bieten. Sie alle haben beim TV Lunkhofen angefangen.